Naturnah oder ungepflegt?
Naturnahe Gärten sind robust gegenüber Klimaextremen, schützen den Boden und bieten Tieren und Pflanzen Lebensraum. Gleichzeitig kommt es in der Praxis immer wieder vor, dass verwilderte oder schlecht bewirtschaftete Gärten als „Naturgarten“ bezeichnet werden; genau hier setzt diese Handreichung an.
naturnah_oder_ungepflegt-06-24.pdf (853 KB)
Das Merkblatt ist keine Checkliste zur Punktbewertung, sondern eine Arbeitshilfe für Gartenbegehungen und Wertermittlungen. Es soll dazu anregen, genauer hinzusehen, mit den Pächterinnen und Pächtern ins Gespräch zu kommen und echte Naturnähe von Vernachlässigung zu unterscheiden.
Worum es geht
Die Handreichung vergleicht naturnahe und ungepflegte Gärten in mehreren Bereichen, etwa beim ersten Eindruck, bei gärtnerischen Aktivitäten, bei Wildpflanzen, Rasen und Wiese, Obstbäumen, Kompost, Recyclingmaterial und ökologischen Strukturen. Für die Begehung ist wichtig, dass der Garten nicht nur nach seinem äußeren Eindruck beurteilt wird, sondern auch nach seinem Konzept und seiner tatsächlichen Bewirtschaftung.
Echte naturnahe Gärten zeigen trotz dichterer Bepflanzung Struktur, erkennbare Nutzung und gezielte Eingriffe. Ungepflegte Gärten wirken dagegen oft unstrukturiert, verfallen oder über längere Zeit nicht bearbeitet; häufig fehlen ein klares Gartenkonzept, regelmäßige Pflege und die bewusste Steuerung von Wildwuchs.
Fünf sichere Anzeichen für Vernachlässigung
Ein ungepflegter Kleingarten lässt sich häufig an fünf Punkten schnell erkennen:
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Aufwuchs sich aussamender, hochwachsender Bäume wie Ahorn, Pappel, Birke, Ulme oder Robinie.
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Herumliegendes Fallobst und Fruchtmumien an Obstbäumen.
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Fehlender oder lange nicht bewirtschafteter Kompost.
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Verstreut liegende Materialien ohne erkennbaren Zweck, etwa Müll, Schrott oder Möbelteile.
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Ein fehlendes, im Gespräch nicht erkennbares Bewirtschaftungskonzept und mangelnde Pflanzenkenntnis.
Diese Merkmale helfen dabei, verwilderte Flächen früh zu erkennen, ohne naturnahe Gestaltung pauschal zu verurteilen.
Merkmale naturnaher Gärten
Naturnahe Gärten wirken dichter, wilder und vielfältiger, bleiben aber trotzdem strukturiert und bewusst gestaltet. Typisch sind eine Mischung aus Kultur- und Wildpflanzen, klare Gartenbereiche, regulierte Wildkräuter, fachgerecht gepflegte Obstbäume sowie ein nutzbarer Kompost oder ein alternatives Kompostkonzept wie Flächenkompostierung.
Auch ökologische Strukturen wie Totholzhaufen, Lesesteinhaufen oder Brennnesselecken können dazugehören, wenn sie bewusst angelegt und sachgerecht von ungeeignetem Material getrennt sind. Entscheidend ist, dass solche Strukturen als Lebensräume gestaltet und nicht mit Bauschutt, Altmetall oder behandeltem Holz vermischt werden.
Für die Praxis
Für Gartenbegehungen ist das direkte Gespräch mit der Pächterin oder dem Pächter besonders wichtig. Naturnahe Bewirtschaftung beruht in der Regel auf einem erklärbaren Konzept, während ungepflegte Gärten oft durch Überforderung, fehlende Planung und ausbleibende Pflege auffallen.
Die Handreichung kann daher als Orientierungshilfe genutzt werden, um sachlich zu beurteilen, ob ein Garten naturnah bewirtschaftet oder lediglich ungepflegt ist. Sie unterstützt eine faire Bewertung und schützt zugleich echte Naturgärten davor, mit Verwahrlosung verwechselt zu werden.
Die Original-Handreichung wurde vom Bezirksverband Berlin-Süden der Kleingärtner e.V. veröffentlicht; als Autoren werden Dipl.-Ing. Elisabeth Schwab und Kimberley Hofer genannt.